„Altsein mit Würde“ – Ein Gespräch der Initiative mit Dr. Norbert Blüm



Dr. Norbert Blüm

Wie möchten Sie alt werden?
Ich möchte auch im Alter nicht alleine sein, sondern mit Menschen zusammen leben, denen ich vertraue. So lange es geht, will ich auch für andere etwas tun. „Dasein teilen“ ist eine Bereicherung für alle. Allerdings ist das leichter gesagt als getan und ich hoffe, nicht in Altersbitternis zu verfallen und schließlich zu einem nörgelnden Greis zu versteinern.

Was ist Ihr Wunsch für das Alter?
Hoffentlich bewahren wir uns – die Jungen wie die Alten – wechselseitig die Achtung. Die Selbstachtung ist auf die Achtung des anderen angewiesen. Darin bezeichnet sich Würde. Und ich bin noch etwas, auch wenn ich nicht mehr bin. Das ist ein tröstlicher Gedanke, mit dem man sich ein Leben lang vertraut machen muss.  

 

Welche Vorstellung hatten Sie ursprünglich für Ihr Leben mit 65+?
Ich habe mir kein Konzept fürs Alter gemacht. Ich nehme es, wie es kommt. Man muss in jedem Lebensabschnitt den schlechten Menschen in sich bekämpfen. Die beste Übung dafür ist, nicht ständig an sich und seinen Vorteil zu denken. Das ist erstens sehr anstrengend und zweitens kann es im Alter passieren, dass alt vertraute Vorzüge wegfallen. Man ist im Alter nicht mehr Sieger in Disziplinen, in denen man als Junger immer gewonnen hat. Also: Vergesse das Siegen!

Was macht das Leben im Alter tatsächlich aus?
Ich bin neugierig auf neue Lebenserfahrungen. Alter ist ein Abenteuer. Alle wollen länger leben, aber niemand will alt werden. Das ist die Bankrotterklärung der Neugier.

Ich kenne manche bewundernswerte Alte, die nichts mehr leisten können und von denen man sich dennoch „eine Scheibe abschneiden“ kann. Alles Trallala ist dann entfallen. „Mensch werde wesentlich“, das gelingt manchen Alten naturgemäß besser als manchen Jungen.

Was ist aus Ihrer Erfahrung die größte Herausforderung im Alter?
Die größte Herausforderung im Alter ist der Verlust von vertrauten Menschen.

Welches Wohn- bzw. Lebenskonzept bevorzugen Sie für Ihren „Herbst des Lebens“?
Ich möchte so lange es geht in meinen vertrauten vier Wänden leben. Einen alten Baum verpflanzt man nicht gerne.