Politik und Industrie wünschen sich mehr Anreize für Hausnotruf
Auf dem zweiten „ZVEI-Dialog Gesundheitswirtschaft“ in Berlin am 10.02.2011 diskutierten Politiker und Pflegeexperten politische und gesellschaftliche Anreize für die Anschaffung von Hausnotrufsystemen.
Bereits in seiner Begrüßung betonte Gert van Iperen, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Sicherheit, dass für Senioren, unabhängig von Gesundheit und hohem Alter, das Idealbild immer noch die eigenverantwortliche Lebensgestaltung in den eigenen vier Wänden ist. Um dieses für eine breitere Zielgruppe zu ermöglichen, schlug Michael von Förster (Bosch Sicherheitssysteme GmbH) in seinem nachfolgenden Vortrag vor, die Hürden zur Beantragung des Hausnotrufes innerhalb der Pflegestufe 1, z.B. die Prüfung durch den Medizinischen Dienst, zu senken.
Neben der Sicherheit, die der Hausnotruf zu Hause bietet, erläuterte Petra Weingärtner vom Deutschen Roten Kreuz in einer zweiten Präsentation zudem weitere lebensrettende bzw. lebensverlängernde Funktionen, z.B. die tägliche Blutzuckermessung aus dem Bereich Telemedizin oder die GPS-Ortung über einen Notrufknopf am Mobilfunkgerät für Senioren unterwegs.
Gemeinsam mit Meinolf Moldenhauer, Pflegeexperte des GKV-Spitzenverbandes, und Willi Zylajew, pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, diskutierten Gert van Iperen (ZVEI) und Peter Balz, Vorsitzender der Initiative Hausnotruf, den Beitrag von Hausnotruf zur Bewältigung des demografischen Wandels.
In einem Punkt waren sich die Beteiligten einig: Die technische Entwicklung ist heute weiter als die Pflege- und Gesundheitswirtschaft. Willi Zylajew (CDU/CSU) ging in seinem Statement noch einen Schritt weiter und bestätigte, dass selbst die bestehenden Systeme wie der Hausnotruf größtenteils beim Patienten nicht ankämen. Daher seien hier gesellschaftliche Prozesse und Anreize nötig, um den Menschen Sicherheit zu geben. Und allein aus humanitären Gründen sei die ambulante Versorgung von Senioren zu Hause der stationären Pflege vorzuziehen: „Dieses ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Es ist gut zu wissen, dass Hilfe für Mutter und Vater gut erreichbar ist“, erklärt Zylajew.
Peter Balz von der Initiative Hausnotruf ergänzte, dass nicht nur die meisten Menschen zu Hause gepflegt werden möchten, sondern dass Modellrechnungen bestätigen, dass für die Pflegeversicherung die ambulante Versorgung günstiger sei. Während Meinolf Moldenhauer (GKV) an Berater und Ärzte appellierte, Hausnotruf zu empfehlen, wenn Menschen allein leben würden, betonte Peter Balz, dass Hausnotruf ebenso sinnvoll sei, wenn Senioren bei Angehörigen lebten, um diese zu entlasten.
Die von Katja Nellissen (WDR) moderierte Veranstaltung schloss mit der gemeinsamen Expertenansicht, dass das ungenutzte Potential des Hausnotrufs erheblich sei. Wünschenswert seien Marketingkonzepte aus der Politik sowie höhere Anreize für die Ausstattung von Seniorenhaushalten mit Hausnotrufsystemen.
